Es gibt Bücher, bei denen weiß ich nicht, was ich erwarten soll, die mich dann aber sehr positiv überraschen (wie Fenimore von Elizabeth Maguire). Und dann gibt es Bücher, bei denen ich nicht weiß, was ich erwarten soll – und bin nach dem Lesen genauso ahnungslos wie zuvor.

Zur letzteren Kategorie gehört Stadt, Land – Schluss (übersetzt von Cornelia Holfelder-von der Tann). Das Buch ist die abgedruckte Version des Blogs der Britin Judith O‘Reilly, die mit Mann und Kindern aus London in das ländliche Northumberland gezogen ist und nun ihren Alltag auf dem Lande beschreibt. Und das war’s dann auch schon an „Story“.

Kein roter Faden, kein Handlungsstrang, kein Spannungsaufbau. Die Autorin reiht ihre Blogeinträge aneinander, ohne den Leser an die Hand zu nehmen und ihm den Sinn des Buches zu vermitteln.

Ich hatte gehofft, dass die Autorin irgendwann aus ihrem Umzug und dem veränderten Lebensstil Erkenntnisse gewinnt, aber da hoffte ich umsonst. Stattdessen schafft sie es auch nach Jahren auf dem Land nicht, ihren Wagen regelmäßig zu tanken und ein Handy bei sich zu haben (sodass ihr Auto gefühlt 20 Mal in der Pampa liegenbleibt und sie hilflos am Straßenrand darauf wartet, dass jemand zufällig vorbeikommt).

Noch dazu verliert sie ständig Auto- oder Hausschlüssel, zieht zig mal um (ich habe irgendwann den Überblick verloren, in welchem Haus sie gerade wohnt), beschwert sich am laufenden Band, dass ihr Mann so selten da ist und verwirrte mich damit, dass sie die Menschen in ihrem Umfeld namenslos belässt. Sie redet von „der Frau des Milchfarmers“, der „Frau des Austernfarmers“ oder „die Geduldige Mutter“ – wie zum Teufel soll ich mir da merken, wer wer ist?!

Was im Blog vielleicht als seichte Lektüre in der Mittagspause funktioniert, ließ mich eher planlos zurück.

Ich habe nach einer Weile überlegt, ob ich das Buch abbreche (siehe: Aufhören oder weiterlesen?) und mich dann fürs Weiterlesen entschieden, weil ich den Schreibstil ganz angenehm zu lesen fand.

Ich schätze, das ist auch ein Grund, warum das Ganze als Blog funktioniert hat. Wenn man Gejammer und Verplantheit in gut formulierten Häppchen alle paar Tag in einem Blog serviert bekommt, kann man vielleicht an einigen Stellen zu dem Gejammer nicken und über die Verplantheit lachen – doch wenn man das auf 351 Seiten gebündelt als niemals endende Litanei vorgesetzt bekommt, hört der Spaß irgendwann auf.

Und am Ende war ich dann auch wirklich froh, dass der Spaß irgendwann aufhörte und ich das Buch als „gelesen“ von meinem SuB streichen konnte. Das ist aber leider auch das einzig Positive, das ich aus der Lektüre des Buches ziehen kann….

P.S.: Ich bin nicht die einzige, die mit dem Buch nichts anfangen konnte, Sarah von Sarah’s Büchewelt ging es ganz ähnlich.

2 thoughts on “„Stadt, Land – Schluss“ von Judith O’Reilly

  1. Ohje, das Buch steht ja bei mir auch im Regal – ich weiß gar nicht wieso, eigentlich sollte ich es weggeben. Ich habe das Buch damals gelesen und als bekennende ChickLit-Leserin dachte ich eigentlich, dass es mir gefallen würde, aber ich war vollkommen deiner Meinung. Ich meine sogar, dass ich es irgendwann abgebrochen habe, weil es so langweilig war. Da sind wirklich weitaus mehr Bücher um Welten lesenswerter.

    Schade nur um die Zeit 😉

    Liebe Grüße,
    Jess

    1. Hey Jess,
      ja, wirklich Schade um die Zeit! Im Nachhinein denke ich auch, ich hätte es abbrechen sollen, aber ich hatte wirklich die Hoffnung, es würde doch noch besser werden… Tja, im Nachhinein ist man immer schlauer, hehe :)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *