Es war halb drei. Nachts.

Ich habe am Wochenende Solange am Himmel Sterne stehen von Kristin Harmel ausgelesen (Übersetzt hat den Roman Veronika Dünninger, die übrigens auch Mehr als nur ein halbes Leben übersetzt hat – ein Buch, das ich nur empfehlen kann!) Erwähnte ich schon, dass es halb drei in der Nacht war, als ich die letzte Seite gelesen habe? Halb drei. Das sollte wohl eine ganze Menge über das Buch aussagen. Obwohl…

Anfangs fand ich das Buch eher mau, denn es fiel mir sehr schwer, in die Geschichte reinzukommen – was vor allem daran lag, dass ich Hope, die Protagonistin, zunächst wenig mochte. Sie war mir zu klischeebeladen: Geschiedene Bäckereibesitzerin Mitte Dreißig, die niemanden an sich ranlässt, sich nicht mit ihrer zickigen 12-jährigen Tochter versteht, und keinerlei Interesse am geschäftlichen Teil ihres Geschäfts hat. Noch dazu ist der Roman in Ich-Form und im Präsens geschrieben – zwei Dinge, die ich bei Romanen weniger mag.

Hope mag ich immer noch nicht. Ihre Geschichte fand ich zu vorhersehbar und ihre Handlungsweise konnte ich meistens nicht nachvollziehen. Doch ähnlich wie bei Ein Bild von Dir von Jojo Moyes war es auch bei Solange am Himmel Sterne stehen die Geschichte der Vergangenheit, die Lebensgeschichte von Rose, die ich besonders spannend fand. Mir hat es dabei gefallen, dass Harmel immer wieder darauf zurückkommt, dass wir Menschen im Grunde unseres Herzens alle gleich sind – egal, woher wir stammen, an welchen Gott wir glauben oder wo wir leben.

 

Dann sind wir gar nicht so verschieden, meint Monsieur Haddam. (S. 244)

 

Harmel zeigt meiner Meinung nach wunderbar, dass wir Menschen eigentlich alle dieselben Hoffnungen, Träume und Ängste haben. Wir hoffen auf Liebe und Gesundheit, träumen von einer glücklichen Zukunft und sorgen uns um das Wohl unserer Lieben.

Und wenn sich eben diese Wünsche und Hoffnungen nicht erfüllen? Was, wenn unserer schlimmsten Befürchtungen wahr werden? Dann trauern wir um verlorene Leben. Mit verlorene Leben meine ich damit nicht nur Menschen, die viel zu früh sterben, sondern auch Menschen, die – aus den unterschiedlichsten Gründen und oft unverschuldet – nicht das Leben leben, das sie sich erwünscht hatten.

So habe ich mit Rose und Jacob um die verpassten Augenblicke und das verlorene Glück getrauert – und ein, zwei Tränen verdrückt *hüstel*. Wie viel glücklicher hätten sie sein können? Was hätten sie nicht alles erleben können, in einer anderen Zeit, an einem anderen Ort.

Ein schöner Schmöker, den man mal eben an einem Wochenende durchlesen kann.

 

Harmel, Kristin. Solange am Himmel Sterne stehen. Blanvalet, 2013. ISBN: 9783442381210

One thought on “„Solange am Himmel Sterne stehen“ von Kristin Harmel

  1. Ich mochte dieses Buch auch so gerne! Mit der Protagonistin war ich aber einverstanden. :)
    Mich hat das Buch auch zu Tränen gerührt… *sniff*

    Grüße
    Sabrina

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