Ich liebe Bücher, in denen es um Literatur und Schriftsteller geht, und noch viel mehr liebe ich (auto)biographische Geschichten oder Bücher, die Realität und Fiktion vereinen. „Shakespeare and Company“ ist autobiographisch UND dreht sich um Literatur – die perfekte Mischung also?

Nicht ganz.

Sylvia Beach erzählt in „Shakespeare and Company. Ein Buchladen in Paris“ (übersetzt von Lilly von Sauter) die Geschichte ihres Pariser Buchladens, von seiner Gründung bis hin zu seiner Schließung im Zweiten Weltkrieg. Sie tut dies mit viel Leidenschaft und Herzblut, zwei Dinge, die wohl auch dafür gesorgt haben, dass ihr Buchladen Shakespeare and Company in den 20er- und 30er-Jahren zu einem der wichtigsten literarischen Treffpunkte von Paris wurde.

Das Buch ist ohne Frage unglaublich interessant und bietet einen unvergleichlichen Einblick in die literarische Szene jener Zeit. Als Leser sitzt man quasi am Eingang des Buchladens und sieht die Literatur-Stars der damaligen Zeit ein- und ausgehen – Ezra Pound, Ernest Hemingway, Thornton Wilder, André Gide und viele andere. Und man tut gut daran, dabei ein Smartphone zur Hand zu haben. Ich musste zig Namen googlen, um wirklich zu verstehen, von wem Sylvia Beach hier und da spricht.Shakespeare and Company Bilder

Ein Name, der viel Raum in dem Buch einnimmt, ist James Joyce. Als Verlegerin von „Ulysses“ hatte Sylvia Beach eine ganz besondere Beziehung zu Joyce – wobei ihre Freundschaft auf mich häufig wie eine Hass-Liebe wirkte.

Doch obwohl ich ihre Schilderungen unglaublich faszinierend fand, gab es zwei Dinge, die meinen Gesamteindruck getrübt haben. Zum einen fehlt mir ein stärkerer roter Faden: Beach konzentriert sich in jedem Kapitel auf einen anderen bekannten Kunden ihres Buchladens, eine Chronologie kommt da manchmal etwas zu kurz – oder zumindest schien es mir so. Zum anderen hat es meinen Lesefluss ungemein gestört, dass ich oft Personen erst googlen musste, um gewisse Bemerkungen wirklich einordnen zu können. Das mit dem Lesefluss ist natürlich mein „Fehler“. Jemand, der etwas besser mit den Schriftstellern und der Pariser Literaturszene der Zeit vertraut ist – was Beach beim Schreiben des Buches vielleicht vorausgesetzt hat, wird dieses Problem wohl nicht haben.

Fazit: Auch wenn ich „Shakespeare and Company“ etwas schwerfällig zu lesen fand, ist es doch eine unglaubliche Schatztruhe an persönlichen Erinnerungen von Sylvia Beach, die es wert ist, gelesen zu werden.

 

Shakespeare and Company – Ein Buchladen in Paris. Sylvia Beach. 1982. Suhrkamp. ISBN: 978-3-518-37323-1

 

 

One thought on “Shakespeare and Company. Ein Buchladen in Paris – Sylvia Beach

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *