Ich habe gerade „Moshi Moshi“ von Banana Yoshimoto (übersetzt von Matthias Pfeifer) ausgelesen und es lässt mich etwas verwirrt zurück.

Ich habe von Banana Yoshimoto schon einige Bücher gelesen. Ich kann mich zwar seltsamerweise nicht wirklich an die Geschichten erinnern, aber ich weiß, dass ich sie sehr mochte und mir Yoshimotos Schreibstil sehr gefiel.

„Moshi Moshi“ lässt mich verwirrt zurück, weil ich das Buch inhaltlich eher unauffällig fand, mich das Verhalten der Protagonisten manchmal den Kopf schütteln ließ und ich bei einigen Dialogen das Gefühl hatte, das Japanische rauszuhören (gut übersetzt, aber stilistisch irgendwie Japanisch…). Trotzdem ist die Quersumme aus „unauffäliig“, „Kopfschütteln“ und „Japanisch“ am Ende ein „Lesevergnügen“…

Die Geschichte ist schnell zusammengefasst: Der Vater von Yoshie, genannt Yotchan, begeht mit einer fremden Frau Selbstmord und lässt Yotchan und ihre Mutter mit vielen Fragen zurück. Yotchan zieht aus ihrem Elternhaus aus und will einen Neuanfang im Szeneviertel Shimokitazawa wagen. Ihre Mutter folgt ihr schon bald und Yotchan gründet mit ihr eher unwillig eine WG, die sie im Laufe der Zeit aber doch zu lieben lernt.

Es vergehen zwei Jahre, in denen man Yoshie dabei begleitet, wie sie versucht, das Erlebte einzuordnen, Erklärungen zu finden, die Trauer abzuwerfen und wieder wirklich zu leben. Es fühlt sich fast an, als würde man mit einer Freundin ihren Alltag durchleben: Man begleitet sie zu ihrer Arbeit im Bistro, geht in der Mittagspause im Restaurant nebenan etwas Essen, trinkt einen Tee im Teeladen um die Ecke oder verabredet sich nach Feierabend in einer kleinen Bar, in der sich jeder zu kennen scheint.

Es scheint, als würde Yoshimoto in diesem Roman Zeit und Raum außer Kraft setzen.

Yoshimoto hebelt das Zeitgefüge aus seinen Angeln, sodass ich beim Lesen das Gefühl hatte, in einen ruhigen See abzutauchen. Die Mischung aus schlichter Handlung und schnörkelloser Sprache kreiiert eine unglaubliche Ruhe, die sich wundervoll mit der Melancholie des Themas verbindet. Doch es ist nicht das Gefühl von Trauer, das in diesem Buch überwiegt, sondern von Hoffnung auf einen Wiederanfang.

Sehr treffend fand ich dabei diesen Satz:

Das Leben ist nicht nur Sonnenschein, aber auch nicht fortwährende Finsternis.

(Moshi Moshi, S. 131)

Und genau das vermittelt Yoshimoto in ihrem Roman. So viel Yotchan auch weint, so sehr sie die ganze Situation verwirrt und so wenig sie im Grunde Antworten auf ihre Fragen findet – ihr Leben sucht sich seinen Weg. Trauer und Glück wechseln sich ab. Auf Dunkelheit folgt Sonnenschein folgt Dunkelheit folgt Sonnenschein.

Und so habe ich das Buch trotz seiner melancholischen Grundstimmung sehr genossen. Inhaltliche Knaller oder schockierende Wendungen darf man bei „Moshi Moshi“ nicht erwarten. Der Roman plätschert vor sich hin – doch genau darin liegt meiner Ansicht nach sein Reiz.

„Moshi Moshi“, ein leiser Roman für stille Stunden.

 

Yoshimoto, Banana. Moshi Moshi. Diogenes. 2015. ISBN 978-3-257-06931-0

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