Es gibt Bücher, die liest man aus Vergnügen. Und dann gibt es Bücher, deren Botschaft weniger vergnüglich ist, die man aber umso dringender lesen sollte.

„Krebszellen mögen keine Himbeeren“ von Prof Dr. med. Richard Béliveau und Dr. med. Denis Gingras (übersetzt Hanna van Laak) ist ein Buch der zweiten Kategorie. Die Botschaft?

Wenn wir nicht essen, um zu leben, sondern leben, um zu essen, werden wir bald nicht mehr leben – oder zumindest immer früher sterben.

Zumindest würde ich das so zusammenfassen.

Das Buch beschäftigt sich mit der Frage, welche Lebensmittel unserem Körper dabei helfen können, sich gegen die Entstehung von Krebs zu wehren. In 18 Kapiteln beschreiben die beiden Wissenschaftler Richard Béliveau und Denis Gingras, wie Krebs entsteht, welche Phasen er durchläuft, welche Nahrungsmittel krebshemmende Wirkungen haben und warum.

Wer jetzt von den vielen akademischen Titeln der Autoren abgeschreckt ist und eine hochwissenschaftliche, komplizierte Abhandlung fürchtet, den kann ich beruhigen. Das Buch ist leicht verständlich geschrieben und bietet dennoch viele detaillierte Informationen zu den einzelnen Lebensmitteln.

Ich fand das Buch daher sehr informativ. Vor allem der erste Teil, in dem es um die Entstehung, Behandlung und Prävention von Krebs geht, hat mich sehr zum Nachdenken bewegt. Hier beschäftigen sich die Autoren auch mit dem Einfluss der Gesellschaft auf unsere Ernährungsweise und den Folgen für unsere Gesundheit.

Sehr schockiert hat mich ihre Schilderung, wie wenig die meisten Menschen die Ernährung als wesentlichen Gesundheitsfaktor sehen. Während fast jeder Rauchen, genetische Veranlagung und Umwelteinflüsse mit Krebs in Verbindung bringt, ist die Ernährung als Ursache für eine Krebserkrankung weniger präsent in den Köpfen der Menschen. Dabei gehen die Mediziner davon aus, dass etwa 30 % aller Krebserkrankungen ernährungsbedingt sind. 30 Prozent – das muss man sich mal überlegen!

Riskikofaktoren (S. 23)
Riskikofaktoren (S. 23)

Da verwundert es nicht, dass die Autoren sagen:

Wir müssen unbedingt aufhören, im Essen nur einen Akt des Hungerstillens zu sehen, der keinerlei Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit hat. (S. 36)

Die beiden Mediziner merken zudem an, dass eine „gedankenlose Ernährung […] für die menschliche Gesundheit schädlich ist“ (S. 73) und dass Essgewohnheiten, die größtenteils durch Werbung für Fertigprodukte und Fastfood gesteuert sind, in kommenden Generationen unweigerlich zu immer gravierenderen Gesundheitsproblemen führen werden (S. 36).

Wenn wir dem entgegenwirken und Krankheiten wie Krebs entgehen wollen, müssen wir (als Gesellschaft) uns wieder darauf besinnen, dass Essen mehr ist als Vergnügen und die Zufuhr von Kalorien – Essen kann auch alltägliche Medizin sein. Die Behandlung und Prävention von Krebs durch Ernährung bezeichnen die Autoren als „Nutratherapie“, ein „ergänzendes Verfahren zur Krebsbehandlung“ (S. 89), das neben den schulmedizinischen Maßnahmen wie Bestrahlung, Chirurgie und Chemotherapie angewandt werden sollte. Ziel ist es dabei vor allem, die Angiogenese zu stoppen, also das Wachstum der Blutgefäße, über die ein Tumor bzw. eine Krebszelle sich mit Energie versorgt (S. 69).

Wie man seinen Körper dabei durch Ernährung unterstützen kann, erfährt man im zweiten Teil des Buches. In jedem Kapitel stellen die Autoren ein Lebensmittel vor, das Studien zufolge krebshemmende Eigenschaften hat. Béliveau und Gingras erklären, womit dies zusammenhängt und vor allem auch, wie diese Lebensmittel ihre Wirkung am stärksten entfalten können. So habe ich gelernt, dass die krebshemmenden Stoffe einer Tomate besonders dann effektiv sind, wenn Tomaten erhitzt werden und in Verbindung mit Olivenöl zubereitet werden (wie in einer Tomatensoße).

Nahrung als Medizin

Im letzten Teil geben die beiden Mediziner noch abschließende Tipps, in welchem Maße man die entsprechenden Lebensmittel zu sich nehmen sollte und warum Nahrungsergänzungsmittel nicht unbedingt die richtige Alternative sind (à la Aristoteles „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“)

Die Autoren betonen in ihrem Buch auch, dass Lebensmittel natürlich keine Wundermittel gegen Krebs sind (S. 309). Vielmehr gilt es, die eigene Lebensweise ganzheitlich zu betrachten und Aspekte wie Rauchen oder Bewegung ebenfalls mit einzubeziehen. Die Ernährung kann dann ihren Beitrag zur Gesundheit leisten und die Krebsprävention steigern.

Fazit

Insgesamt hat mir das Buch gefallen. Natürlich ist der Tipp „Mehr Gemüse und Obst essen“ nicht neu, doch das Buch erklärt auf kompakte Art und Weise, warum diese Lebensmittel (nicht nur in Bezug auf Krebs) so wichtig sind. Noch dazu wird das Ganze mit ansprechenden Bildern und einer verständlichen Sprache vermittelt. Was mir sehr gefallen hat, ist, dass das Buch keine mahnende Predigt, sondern ein Plädoyer für gesunder Ernährung im allgemeinen ist.

An einigen Stellen, insbesondere bei den Beschreibungen der Lebensmittel, hätte ich mir zwar gewünscht, dass sich die Autoren etwas kürzer gefasst hätten, aber die Überlänge sei ihnen verziehen.

Ich werde jedenfalls ab jetzt verstärkt darauf achten, die von Béliveau und Gingras empfohlenen Lebensmittel in meinen Speiseplan aufzunehmen und generell den Anteil von Gemüse und Obst zu erhöhen. Schaden kann es wohl kaum.

 

 

Krebszellen mögen keine Himbeeren. Prof. Dr. med. Richard Béliveau/Dr. med. Denis Gingras. Goldmann. 2010. ISBN: 978-3-442-17126-2.

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