Ich sitze auf dem Fußboden in meinem leeren Wohnzimmer und blicke mich um. So leer habe ich diesen Raum wohl noch nie gesehen. Nur die 30 Jahre alte Couch, die ich von meinen Eltern übernommen habe, steht in der Mitte des Raumes, versteckt unter einer Plastikhülle, deren gespenstische Bewegungen im Wind von einem leisen Rascheln begleitet werden.

Die Leere des Raumes hat etwas Beruhigendes an sich. Sie bietet Platz zum Nachdenken.

Während sich draußen langsam die Abenddämmerung breit macht, überkommt mich ein Anflug von Melancholie. Warum? Vielleicht, weil ich da so ganz allein in meinem riesigen, leeren Wohnzimmer auf dem Boden sitze…

Doch aus diesem melancholischen Moment erwächst etwas Unerwartetes – ich will schreiben.

Im Dunkeln ist gut....Ich eile in mein vollgestelltes Schlafzimmer, schnappe mir meinem Laptop und kehre zurück in das mittlerweile dunkle Wohnzimmer. Als ich das Licht anmachen will, fällt mir auf, dass ich die Lichtschalter noch nicht wieder angebracht habe, und nun im Dunkeln beim besten Willen nicht erkennen kann, wie ich ohne Lichtschalter das Licht anbekomme (Welch Ironie des Lebens!). Ich habe jetzt auch keine Zeit und keine Geduld mich um das Anbringen der Lichtschalter im Dunkeln zu kümmern, also setze ich mich wieder auf den Boden und lasse das Wohnzimmer von dem leuchtenden Laptop-Bildschirm erhellen.

Kaum habe ich Word gestartet, fließen die Worte durch meine Finger in die Tastatur und auf die weiße Fläche meines Bildschirms.

Ich hatte schon fast vergessen, wie gut ich im Dunkeln schreiben kann.

Wenn der Ort um mich herum im Nichts verschwindet, richtet sich meine volle Konzentration auf die Geschichte, die sich in meiner Fantasie entfaltet. Ich schließe die Augen, drücke auf „Play“ und lasse den Kinofilm in meinem Kopf einfach laufen. Die Gefühle, Gedanken und Worte meiner Protagonistin fliegen mir zu und ich verewige sie auf dem digitalen Papier.

Als ich meine Augen wieder öffne, habe ich 631 Wörter geschrieben. 631 Wörter mehr als in den letzten drei Monaten. Ich habe mir diese 631 Wörter bis jetzt (drei Tage später) nicht nochmaldurchgelesen.

Doch egal, ob sie Geniestreich oder Bockmist sind – ich habe sie geschrieben und nur das zählt.

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