Es gibt Bücher, bei denen hat man anfangs – trotz Klappentext – nur eine überaus vage Vorstellung davon, um was es geht. Genauso ging es mir mit Fenimore von Elizabeth Maguire (übersetzt von Christel Dormagen).

Der Roman hat keine „Story“, vielmehr schildert er einige Jahre im Leben der Schriftstellerin Constance Fenimore Woolson und beschreibt vor allem ihre Freundschaft zu dem Schriftsteller Henry James. Während die Freundschaft zwischen den beiden real war und lange Anlass für Spekulationen lieferte, ist das Buch natürlich fiktiv und nur an die Fakten angelehnt.

Für mich als Leserin verschwamm jedoch manchmal Realität und Fiktion. Maguires flüssiger Schreibstil (beziehungsweise der schöne Schreibstil der Übersetzerin Christel Dormagen) macht es einem leicht, sich in die damalige Zeit hineinzuträumen. Ich bin mit Woolson durch Europa gereist, habe ihre Verzweiflung gespürt, die ihre körperliche Verfassung ihr immer wieder bereitete, und konnte ihre Empörung über die gesellschaftlichen Normen nachempfinden, denen sie sich als Frau damals fügen musste.

Ich habe Fenimore online als Mängelexemplar gekauft, weil ich Geschichten mit realem Hintergrund sehr mag (zu empfehlen beispielsweise Die geheimen Memoiren der Jane Austen von Syrie James). Doch abgesehen davon, dass ich den Namen „Fenimore“ von James Fenimore Cooper kannte (sein „The Last of the Mohicans“ steht auf meinem SuB…), wusste ich nichts über den Roman oder Elizabeth Maguire. Am Ende habe ich mir gewünscht, dass das Buch noch länger gewesen wäre, denn ich hätte gerne mehr über die literarische Welt des 19. Jahrhunderts gelesen.

Noch dazu fand ich es spannend zu lesen, wie Frauen früher um so vieles kämpfen mussten, was wir heutzutage als selbstverständlich ansehen. Wie beengt doch ihr Leben war und wie viel Kraft es sie gekostet haben muss, immer wieder gegen Konventionen anzukämpfen, anders zu sein, anders zu leben – ihr Leben zu leben.

Für mich ist dieses Mängelexemplar literarisch gesehen absolut frei von jeglichen Mängeln! 😉

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