Leute, ich geb’s auf. Ich versuche jetzt seit einer Viertelstunde mit dieser Rezension zu beginnen, aber ich finde keinen Einstieg, der Connie Palmen würdig wäre, also sag ich es einfach gerade heraus:

Lest „Du sagst es“. Es lohnt sich.

Ganz ehrlich.

Mögt ihr einen makellosen Schreibstil? Leise Worte, die sehr bewegen? Eine Geschichte, die ganz unaufdringlich scheint, es aber ungemein in sich hat? Dann lest dieses Buch.

Und wenn ihr euch auf den ersten Seiten verloren fühlt – weil ihre vielleicht noch nie etwas von Ted Hughes gehört und erst recht nicht gelesen habt, und weil ihr über Sylvia Plath eigentlich nur wisst, dass sie „Die Glasglocke“ geschrieben und Selbstmord begangen hat – dann lest einfach weiter.

Man muss weder Hughes noch Plath kennen, um den Roman zu mögen. Man muss sich einfach nur einlassen, auf die Geschichte zweier Menschen, die sich lieben, die nicht ohne einander können, auch wenn sie allein vielleicht besser dran wären. Ich weiß nicht, inwiefern Connie Palmen den realen Schriftstellern gerecht wird oder ob man aus ihren Zeilen Ted Hughes sprechen hört. Aber ich weiß, dass „Du sagst es“ ein seltsam bewegender Roman ist. Eine Geschichte über Selbstzweifel, künstlerischen Drang, Affären und Verrat, das Schreiben und auch Nicht-Schreiben und vor allem die Liebe.

Eine Woche vorher hatte ich gefragt, was sie sich wünsche.

„Unsterblichkeit“, sagte sie.

„Schenk ich dir“, sagte ich.

(Du sagst es, S. 124)

Viele Stellen haben mich sehr gepackt (Die Szene mit dem Bären seltsamerweise!). Und mit dem Wissen, dass der Roman zwar fiktiv, die Grundlage der Geschichte jedoch real ist, war es für mich manchmal etwas schwer erträglich, die Berg- und Talfahrt dieser komplizierten und komplexen Beziehung  lesend zu begleiten, immer mit dem Ende im Hinterkopf. Für mich ist Fiktion und Realität dabei hin und wieder verschwommen, sicherlich gerade weil ich bisher im Grunde nichts über Hughes und Plath wusste und keines ihrer Werke gelesen habe. Dafür habe ich aber alle bisherigen Bücher von Connie Palmen gelesen (außer „Logbuch eines unbarmherzigen Jahres“, das aber schon bei mir im Regal steht) und habe keines davon bereut. Auch „Du sagst es“ nicht.

connie-palmen

Für mich ist Connie Palmen (neben Jane Austen) die beste Schriftstellerin, die ich bisher gelesen habe. Nicht ohne Grund steht „I.M.“ auf meiner Top-10-Liste. Und nicht ohne Grund habe ich mir im September in den Arsch gebissen, als ich es nicht geschafft habe, zu ihrer Lesung zu gehen, weil ich zu spät mitbekommen habe, dass sie in Berlin ist…

Fazit:

Tolles Buch. Vielleicht nicht für jedermann, aber mich hat es sehr gepackt. Ich liebe Connie Palmens Schreibstil (und somit den ihrer Übersetzerin Hanni Ehlers) – sie könnte wohl auch Kochrezepte schreiben und ich würde jedes Wort von ihr aufsaugen. Also, lest dieses Buch. Lest einfach jedes ihrer Bücher.

 

 

Du sagst es. Connie Palmen. 2016. Diogenes. ISBN: 978-3-257-06974-7.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *