Ich war letzte Woche in der Bücherei, um meinen Ausweis verlängern zu lassen. Als ich so zu Fuß zur Bücherei lief, ist mir aufgefallen, dass ich diesen Weg schon seit fast 30 Jahren regelmäßig laufe. Ich weiß nicht, wann meine Mutter mich und meine Geschwister zum ersten Mal in die Bücherei mitgenommen hat, aber ich habe sehr klare Erinnerungen daran, wie ich als Kind die Bilderbuchkästen nach Willi-Wiberg-Büchern durchsuchte, während es draußen schon dunkel wurde.

Zur Bücherei
Zur Bücherei

Später war die Bücherei einer der ersten Orte, an die mich meine Eltern allein haben gehen lassen. Ich bin als Grundschülerin oft dort gewesen. Der Weg dauert mit dem Fahrrad keine fünf Minuten, aber als Kind war es für mich trotzdem eine große Sache. Allein mit dem Fahrrad durch den Park zu fahren, in der Bücherei mit dem eigenen Ausweis Bücher auszuleihen und wieder nach Hause zu fahren – immer ein Erlebnis.

In der 7. Klasse habe ich sogar mein Schülerpraktikum in der Bücherei absolviert. Die besten zwei Wochen aller Zeiten! Ich habe Bücher einsortiert, saß an der Ausleihstelle (damals musste man noch Lochkarten hinten in die Bücher stecken, und dann das Buch in ein Kopiergerät legen) und durfte sogar Neuerscheinungen zum Bestellen aussuchen.

Die Bücherei sieht mittlerweile anders aus als früher. Die Bibliothekarinnen sind schon lange nicht mehr dieselben und an der Ausleihstelle trifft man heute nur noch auf blöde Automaten, die nie das tun, was man will.

Der Ort hat etwas von der Magie verloren, die früher dort herrschte.

Die Bücher dort eröffnen mir nicht mehr die magischen Welten von früher, die auf unerklärliche Weise ihren Weg zwischen zwei Buchdeckel gefunden haben. Heute sind sie für mich wundervolle Werke von Schriftstellern, Lektoren und Verlagen, die geplottet, geschrieben, korrigiert, gedruckt und vermarktet werden. Und Büchereien sind Orte, an denen Bibliothekarinnen fürchten müssen, von Automaten ersetzt zu werden und in denen man sich dank Metalldetektoren am Eingang schon beim Hineingehen des Bücherdiebstahls bezichtigt fühlt.

Doch noch immer empfinde ich Büchereien als Orte der Ruhe, an denen man sich für eine Weile um nichts anderes Gedanken machen muss als um die Wahl des nächsten Buches. Noch immer fühle ich mich in einer Bücherei inmitten der unzähligen Geschichten und eigenen Welten so wohl wie sonst vielleicht nur abends mit einem schönen Buch, einem warmen Tee und einer kuscheligen Decke auf der Couch.

Stadtbücherei ohne C
Stadtbücherei ohne C

Als ich nun so vor „meiner“ Bücherei ohne C stand, dachte ich für einen Moment: „Früher war alles besser.“

Doch auch wenn sich einiges zum Negativen gewandelt hat, ist eines unverändert und führt mich immer wieder hier her – meine Liebe zu den Büchern.

One thought on “Die Liebe zu den Büchern

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