Sommerbuch. Ein Wort und eigentlich ist jedem sofort klar, um was für eine Art Buch es sich handelt, oder? Sommerbücher, das sind die Eat-Pray-Loves der Belletristik. Die Bücher, die keine schwere Kost sind, sondern die man fluffig in einem Zug durchlesen kann, ja, die man fast einatmet. Sie mögen häufig nicht sehr tiefgründig sein (wobei das durchaus möglich ist, finde ich), doch sie versprechen immer eines – gute Unterhaltung.

Und auch wenn heute gerade mal der 1. März ist, der Sommer noch in weiter ferne und selbst der Frühling bislang nur am Kalender zu erahnen ist, hatte ich Lust auf ein Sommerbuch. „Der Sommer der Blaubeeren“ von Mary Simses (übersetzt von Carolin Müller) ist – wie der Titel schon nahelegt – ebenso ein Sommerbuch. Locker, leicht und angenehm zu lesen. Eine Geschichte, die zwar nicht sonderlich überrascht, aber dennoch gut unterhält.

Mich jedenfalls hat die Geschichte um die knallharte New Yorker Anwältin Ellen sehr gut unterhalten: Ellen Branford ist gezwungen für ein paar Tage in einem kleinen Kaff zu verweilen, um ihrer verstorbenen Großmutter ihren letzten Wunsch zu erfüllen und schon nach kurzer Zeit stellt Ellen ihr eigenes Leben gewaltig auf den Kopf stellt. Eines kommt zum anderen und am Ende des Buches ist natürlich nichts mehr so, wie es mal war.

Die Geschichte an sich ist relativ vorhersehbar, schafft es aber galant an „kitschig“ vorbei zu schippern, wobei ich gar nicht richtig sagen kann, wie sie das schafft. 😉 Vielleicht liegt es an dem Schreibstil, der weder platt noch langweilig ist – vielmehr würde ich ihn als so fluffig wie Blaubeermuffins bezeichnen…

Oder es ist die kleine Lektion fürs Leben, die Simses ihren Lesern mit auf den Weg gibt:

Man sollte nicht warten, bis man achtzig ist, um das Leben zu leben, von dem man träumt.

Das Leben ist flüchtig, unberechenbar und noch dazu viel zu kurz. Wir sollten es nicht aus einem falschen Pflichtbewusstsein heraus vergeuden. Natürlich muss man im Laufe des Lebens immer mal wieder Dinge tun, die man nicht mag, oder mit Menschen auskommen, die man am liebsten auf den Mond schießen würde, aber solche Phasen sollten doch nur kurzfristig sein und nicht über Jahrzehnte anhalten.

Doch trotz dieser kleinen Lebenslektion, der netten Geschichte und dem schönen Schreibstil bekommt der Roman von mir keine fünf Sterne bei Lovelybooks. Der Grund? Manchmal hat es mich ein bisschen genervt, dass man als Leser schon längst weiß, wo der Hase langläuft, während Ellen sich zum x-ten Mal versucht vorzumachen, dass sie sich gerade ja sowas von gar nicht in Roy verliebt, diese Kleinstadt doch ganz schrecklich hinterwäldlerisch ist und sie es kaum erwarten kann, nach New York zurückzukommen. Dafür gibt es einen Stern Abzug, wenn auch es das Lesevergnügen nur stellenweise geschmälert hat.

Fazit: Ich finde also, man kann auch aus fluffigen Sommerbüchern wie „Der Sommer der Blaubeeren“ noch etwas fürs Leben lernen – zum Beispiel, dass Scotch auf leeren Magen keine gute Idee ist, dass auch ungesundes Essen seine Daseinsberechtigung hat und dass das Lesen über Blaubeeren Appetit auf Blaubeeren macht. Ich glaube, ich geh dann mal backen…

 

Der Sommer der Blaubeeren. Mary Simses. 2014. Blanvalet. ISBN: 978-3-442-38217-0.

 

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