Gestern war ja Welttag des Buches und den habe ich natürlich als legitime Ausrede genutzt, um mir tatkräftig neue Bücher zu kaufen. :) Aber, wenn man neue Bücher lesen will, sollte man vielleicht erstmal die angefangenen Bücher zu Ende lesen…. Also, äh… im Idealfall. :)

Ich war deshalb fleißig am Lesen und habe schon vorgestern Stadt, Land – Schluss von Judith O’Reilly ausgelesen und gestern dann schließlich Amish für Anfänger von Nancy Sleeth (Amisch für Anfänger auf Buch7.de). Beide Bücher konnten mich leider nicht so ganz überzeugen. Die Rezension zu Stadt, Land – Schluss folgt in den nächsten Tagen. Heute geht’s erstmal um Amish für Anfänger.

Ich muss vielleicht vorweg sagen, dass ich seit etwa 2-3 Jahren auf einem minimalistischen Lebenswandel bin. Ich sammele nichts (außer Bücher ;)) und bin auch sonst nur geringfügig materialistisch veranlagt. Das hat meinen Blick auf das Buch natürlich geprägt.

Worum geht’s im Buch? Nancy Sleeth beschreibt in dem Buch, wie man die unterschiedlichsten Prinzipien der Amisch in das eigene Leben integrieren kann, um entspannter und glücklicher zu leben. Dabei geht es vor allem darum, genügsamer zu sein, einfacher und sparsamer zu leben, weniger auf Technik wert zu legen und stattdessen den Menschen und das Miteinander in den Mittelpunkt des Lebens zu setzen. So weit, so gut.

Vieles, das Sleeth vorschlägt, habe ich schon zuvor auf Blogs wie dem der Minimalists, von Joshua Becker oder Leo Babauta gelesen und in meinem Leben umgesetzt. Dazu gehört, Kleidung nur zu kaufen, wenn es absolut notwendig ist (sprich, wenn ein Kleidungsstück kaputt geht und ich keinen Ersatz habe), viel Zeit mit Freunden und Familie zu verbringen, sich Auszeiten von Laptop und Handy zu nehmen, selbst zu kochen statt Fertiggerichte zu essen und weniger Geld auszugeben als man einnimmt. Daher konnte ich kaum etwas Neues aus dem Buch mitnehmen.

Nach etwa der Hälfte hatte ich zudem das Gefühl, dass das Buch immer mehr zu einer Predigt wurde. Dass Religion für Nancy Sleeth und die Amisch sehr wichtig ist, war mir klar (schließlich ist das Buch auch bei SCM Hänssler erschienen) und das ist auch in Ordnung, doch wenn jede Verhaltensweise damit begründet wird, dass man so Gott besser spüren würde, ist mir das etwas zu viel. Ich hatte nicht erwartet, dass die Religion so in den Vordergrund rücken würde.

Dennoch fand ich viele Dinge, die in dem Buch angesprochen werden, sehr wichtig und richtig – beispielsweise dies hier:

Kinder schauen sich mehr von dem ab, was wir tun, als von dem, was wir sagen. (Amisch für Anfänger, S. 51)

Ich sehe das in letzter Zeit sehr stark bei meinem Neffen. Man kann ihm schon vieles erklären und sagen – und er versteht das Gesagte schon sehr gut. Doch viel deutlicher wird sein „Verstehen“ in seinen Handlungen. Alles, was um ihn herum geschieht und was wir tun, saugt er auf und macht es nach. Ob es das Naseputzen, der erhobene „Du-du-du“-Zeigefinger oder die „Ghetto-Faust“ zum Abschied ist. Wir (also, wir die Gesellschaft, die Erwachsenen) machen uns viel zu selten richtig bewusst, dass wir Kindern und Jugendlichen noch so oft sagen können, was sie tun oder lassen sollen, wenn wir dann selbst anders handeln.

Zudem kritisiert Sleeth auch, dass wir durch das immer größer werdende Meer an Technik in unserem Leben den Kontakt zu den wirklichen Menschen verlieren. Der ständige Blick aufs Handy ist für viele schon so normal, dass sie nicht mal mehr mitbekommen, wie oft sie es tun.

Im Grunde konnte ich Nancy Sleeth in vielen Dingen also zustimmen, doch der starke Fokus auf Religion und auch der Schreibstil waren nicht so meins.

Fazit: Ich denke, jemand der sich bisher wenig mit Themen wie „einfach leben“, Minimalismus und Nachhaltigkeit beschäftigt hat, wird sicher viel Interessantes aus dem Buch ziehen können. Mir war der Großteil des Buches am Ende allerdings zu christlich, zu amerikanisch und allzu bekannt.

One thought on “„Amish für Anfänger“ von Nancy Sleeth

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *